Wie sich der Iran-Krieg auf unsere Heizölpreise auswirkt

Was der Konflikt im Nahen Osten mit deinem Öltank zu tun hat

Was hat der Konflikt im Nahen Osten mit deinem Öltank zu tun? Wieso wird der Heizölpreis in Österreich von geopolitischen Spannungen bestimmt? Und wie unabhängig ist unser Energiesystem wirklich? Das alles erfährst du in diesem Beitrag.

Knapp 4.000 Kilometer Luftlinie trennen den Iran und die dort seit Februar 2026 anhaltenden militärischen Auseinandersetzungen von Österreich und den Öltanks in unseren Kellern. Das klingt zunächst nach einer ziemlich direkten Verbindung: Krieg → steigender Ölpreis → teureres Heizöl → höhere Haushaltsausgaben. Tatsächlich ist der Zusammenhang weitaus komplexer. Obwohl Österreich kein Rohöl aus dem Iran importiert und derzeit auch nicht unmittelbar von einer Unterbrechung der Ölversorgung bedroht ist, reagieren die internationalen Ölmärkte empfindlich auf die geopolitischen Entwicklungen rund um den Iran. Diese Preisbewegungen spüren am Ende auch die österreichischen Haushalte.

💡 Man muss nicht von einem bestimmten Land abhängig sein, um von den Ereignissen dort wirtschaftlich betroffen zu sein.

Der Ölpreis hängt von erwarteten politischen Entwicklungen ab

Am 25. September fiel der Preis für ein Barrel Brent-Rohöl um 2,1 Prozent auf 104,32 US-Dollar. Hintergrund waren Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran und damit auf eine mögliche Wiederöffnung der Straße von Hormus. Nur wenige Tage später kippte die Stimmung wieder. Nachdem US-Präsident Donald Trump einen iranischen Vorschlag zur Wiederöffnung der Straße von Hormus zurückgewiesen hatte, sprang der Brent-Preis im frühen Handel am 28. September um mehr als vier Dollar nach oben. Am Ende des Handelstages lag der Schlusskurs bei 105,28 US-Dollar pro Barrel (= 0,9 Prozent über dem Vortag; s. Abb. 1). So geht das im Prinzip schon seit Monaten.

Brent-Rohöl in US-Dollar pro Barrel: Schlusskurs 104,32 am 25. September, Schlusskurs 105,28 am 28. September, 106,99 im frühen Handel am 29. September 202625. Sep.: 104,32 US-Dollar (Schlusskurs)104,32 $25. Sep.Schlusskurs28. Sep.: 105,28 US-Dollar (Schlusskurs)105,28 $28. Sep.Schlusskurs29. Sep.: 106,99 US-Dollar (früher Handel)106,99 $29. Sep.früher Handel
Abb. 1: Preis für Brent-Rohöl in US-Dollar pro Barrel Ende September 2026. Die ersten beiden Werte sind Schlusskurse, der dritte stammt aus dem frühen Handel am 29. September. Die Entwicklung zeigt die schnelle Reaktion des Marktes auf veränderte Erwartungen zur Versorgungslage. Quelle: Reuters

Auffällig dabei ist vor allem die Geschwindigkeit der Reaktion. Noch bevor Öl möglicherweise knapp werden könnte, reagiert der Ölmarkt. Öl wird eben auf einem globalen Markt gehandelt. Wenn Händler und Unternehmen von künftigen Lieferengpässen ausgehen, schlägt sich diese Erwartung bereits im Preis nieder. Umgekehrt können Nachrichten über eine mögliche Entspannung die Preise wieder senken.

Die Straße von Hormus als Nadelöhr des globalen Ölhandels

Die Meerenge zwischen Iran und Oman verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem Arabischen Meer. Sie gehört zu den wichtigsten Transitwegen für Erdöl weltweit. Nach Berechnungen der US Energy Information Administration (EIA) flossen im ersten Halbjahr 2025 durchschnittlich 20,9 Millionen Barrel Öl pro Tag durch die Straße von Hormus. Das entsprach rund 20 Prozent des weltweiten Verbrauchs an flüssigen Erdölprodukten und etwa einem Viertel des weltweiten Seehandels mit Öl. Rund 80 Prozent der durch Hormus transportierten Rohöl- und Kondensatmengen gingen 2022 nach Asien.

Eine solche Meerenge wird in der Energiewirtschaft als „Chokepoint“ bezeichnet: eine geografische Engstelle, deren Störung weitreichende Folgen für Lieferketten haben kann. Die EIA weist darauf hin, dass selbst eine vorübergehende Behinderung des Öltransports durch diese Stelle zu Lieferverzögerungen und höheren Transportkosten führen kann, und damit letztlich auch zu höheren Ölpreisen auf dem Weltmarkt.

Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Österreich plötzlich kein Öl mehr bekommt. Das österreichische Wirtschaftsministerium weist ausdrücklich darauf hin, dass die Straße von Hormus zwar global von großer Bedeutung, die direkte Abhängigkeit Österreichs aber begrenzt sei. Im Jahr 2025 liefen nämlich „nur“ rund 16 Prozent der österreichischen Rohölimporte über diese Route. Eine Blockade wirke sich dem Ministerium zufolge daher höchstens indirekt über die globalen Preiswirkungen auf Österreich aus.

💡 Versorgungssicherheit ist nicht dasselbe wie Preisstabilität.

Was bedeutet das für jemanden, der in Österreich Heizöl bestellt?

105 US-Dollar pro Barrel klingen für uns exotisch. Ein Haushalt in Österreich kauft schließlich weder Rohöl in Barrel noch bezahlt er in US-Dollar. Stattdessen kommt eine andere Zahl ins Spiel: der Preis für Heizöl. Das österreichische Wirtschaftsministerium veröffentlicht dafür wöchentlich einen gewichteten Durchschnittspreis für Heizöl Extra Leicht. Für Abnahmen ab 2.000 Litern lag dieser Preis zwischen Ende August und Ende September 2026 zuletzt bei 1,607 bis 1,885 Euro pro Liter (s. Abb. 2).

Heizöl Extra Leicht ab 2.000 Litern, Wochenpreis in Euro pro Liter von Jänner bis September 2026: von 1,05 Euro im Jänner auf 1,885 Euro am 21. Septemberim Text1,00 €1,25 €1,50 €1,75 €2,00 €JänFebMärAprMaiJunJulAugSep05.01.2026: 1,054 € pro Liter12.01.2026: 1,049 € pro Liter19.01.2026: 1,053 € pro Liter26.01.2026: 1,060 € pro Liter02.02.2026: 1,086 € pro Liter09.02.2026: 1,078 € pro Liter16.02.2026: 1,069 € pro Liter23.02.2026: 1,099 € pro Liter02.03.2026: 1,204 € pro Liter09.03.2026: 1,625 € pro Liter16.03.2026: 1,618 € pro Liter23.03.2026: 1,738 € pro Liter30.03.2026: 1,749 € pro Liter06.04.2026: 1,836 € pro Liter13.04.2026: 1,765 € pro Liter20.04.2026: 1,669 € pro Liter27.04.2026: 1,632 € pro Liter04.05.2026: 1,654 € pro Liter11.05.2026: 1,561 € pro Liter18.05.2026: 1,543 € pro Liter25.05.2026: 1,511 € pro Liter01.06.2026: 1,442 € pro Liter08.06.2026: 1,449 € pro Liter15.06.2026: 1,390 € pro Liter22.06.2026: 1,315 € pro Liter29.06.2026: 1,271 € pro Liter06.07.2026: 1,307 € pro Liter13.07.2026: 1,411 € pro Liter20.07.2026: 1,538 € pro Liter27.07.2026: 1,594 € pro Liter03.08.2026: 1,616 € pro Liter10.08.2026: 1,543 € pro Liter17.08.2026: 1,601 € pro Liter24.08.2026: 1,634 € pro Liter31.08.2026: 1,607 € pro Liter07.09.2026: 1,711 € pro Liter14.09.2026: 1,804 € pro Liter21.09.2026: 1,885 € pro Liter28.09.2026: 1,859 € pro Liter1,054 €1,099 €1,607 €1,885 €
Abb. 2: Gewichteter Durchschnittspreis für Heizöl Extra Leicht in Österreich bei einer Abnahmemenge ab 2.000 Litern, wöchentlich von Jänner bis September 2026. Hervorgehoben sind die Wochen von Ende August bis Ende September. Eine Tankfüllung von 2.000 Litern kostete Ende Februar rund 2.200 Euro, am 21. September rund 3.770 Euro. Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET)

Bei 2.000 Litern beläuft sich der Unterschied zwischen Ende August und Ende September dabei rechnerisch auf 556 Euro. Das heißt allerdings nicht, dass sich der internationale Brent-Preis im gleichen Verhältnis in den Heizölpreis übersetzt. Rohöl ist sozusagen nur der Ausgangsstoff. Bis daraus Heizöl wird, liegen Raffination, Transport, Lagerung und Handel dazwischen. Hinzu kommen Steuern und Abgaben sowie weitere Faktoren der Preisbildung. Deshalb sollte man die beiden Zahlen niemals direkt miteinander verrechnen.

Dass die steigenden Öl- und Heizölpreise nicht nur einzelne Haushalte betreffen, zeigt auch die österreichische Inflationsstatistik. Statistik Austria meldete für August 2026 eine Inflationsrate von 3,2 Prozent. Bei flüssigen Brennstoffen lagen die Preise um 48,1 Prozent über dem Vorjahresniveau. Statistik Austria nennt höhere Treibstoff- und Heizölpreise ausdrücklich als einen wesentlichen Grund für den Anstieg der Inflation. Dabei wäre es allerdings falsch, die gesamte Preisentwicklung allein dem Iran-Krieg zuzuschreiben. Dafür ist die Preisbildung am Energiemarkt einerseits zu komplex, andererseits reichen gewisse Entwicklungen zeitlich weiter zurück. Dennoch macht der aktuelle Konflikt einen grundsätzlichen Zusammenhang sichtbar.

Das eigentliche Problem liegt bei uns

Wenn nun aber die Ölversorgung in Österreich aktuell gesichert ist, warum sollte uns die geopolitische Abhängigkeit vom Ölmarkt dann überhaupt beschäftigen? Ganz einfach: weil es um die Konditionen geht, zu denen Österreich zukünftig Öl einkauft. Da Österreich nur über geringe eigene Erdölressourcen verfügt, müssen sowohl Erdöl als auch Erdölprodukte importiert werden. Das Wirtschaftsministerium betrachtet diese Importabhängigkeit durchaus als Versorgungsrisiko. Nicht umsonst hat sich die österreichische Politik auch das Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu werden und die Nutzung von Erdöl und Erdölprodukten möglichst vollständig zu beenden.

Für die kurzfristige Versorgung liegen immerhin umfangreiche Sicherheitsmechanismen vor. So verpflichtet Österreich etwa Importeure, Pflichtnotstandsreserven im Umfang von 90 Tagen der Vorjahres-Nettoimporte zu halten. Im Frühjahr 2026 wurden im Rahmen einer internationalen IEA-Maßnahme sogar zusätzliche österreichische Rohölreserven für den Markt freigegeben. Doch trotz dieser Versorgungsmaßnahmen lässt sich Österreich nicht einfach vom Weltmarkt abkoppeln.

💡 Strategische Reserven können Zeit kaufen. Diversifizierte Lieferanten können Risiken reduzieren. Alternative Transportwege können einen Teil von Lieferausfällen auffangen. Aber keine dieser Maßnahmen verändert die grundsätzliche Tatsache, dass ein fossiler Energieträger importiert und auf einem globalen Markt gehandelt wird.

Wie abhängig wollen wir sein?

Der Abschied vom Öl wird häufig vor allem als Klimaschutzmaßnahme diskutiert. Das ist insofern nachvollziehbar, als Erdöl ein fossiler Energieträger ist, dessen energetische Nutzung erhebliche Treibhausgasemissionen verursacht. Daneben eröffnet der aktuelle Blick auf den Ölmarkt aber eine zweite Dimension: Resilienz. Ein Energiesystem ist nicht nur dann robust, wenn genügend Energie vorhanden ist. Es ist auch dann robust, wenn externe Ereignisse möglichst wenig Einfluss darauf haben, ob Energie verfügbar und bezahlbar bleibt.

Erneuerbare Energien lösen die bestehenden Abhängigkeiten nicht automatisch. Auch sie benötigen Netze, Speicher, technische Komponenten und Rohstoffe. Zudem liefern Sonne und Wind nicht unbedingt immer genau dann Energie, wenn diese gebraucht wird. Zumindest beeinflussen erneuerbare Energien aber die Logik des Systems. Energie kann zunehmend dort erzeugt werden, wo sie gebraucht wird. Zugleich kann sie gespeichert werden, um zum gegebenen Zeitpunkt genutzt zu werden.

Und plötzlich bekommt der alte Öltank eine neue Bedeutung …

Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie du von Öl auf erneuerbare Energien umsteigen kannst, um weniger von den internationalen Ölmärkten abhängig zu sein, melde dich gern unverbindlich bei uns!

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Verfasst von Isabella Walser-Bürgler

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